Vom Profilbuch zum Profitbuch

Veröffentlicht: Donnerstag, 03. August 2017 Geschrieben von Tanja Stern
Die „Edition Profile“ vermarktet eine clevere Geschäftsidee: Persönliche Profile von Kleinstadtbürgern in ledergebundenen Prachtausgaben.

 

„Edition Profile“ nennt sich der Verlag, und er kommt außerordentlich seriös daher. Regionalgeschichte will er schreiben, und zwar über die Porträts von Menschen, die ihre Regionen prägen. In dicken Büchern werden sie vorgestellt, jeweils zwischen hundertfünfzig und zweihundert Menschen pro Band, ein buntes Sammelsurium von Geschäftsleuten, Landräten, Handwerkern, Künstlern, meist Einzelpersonen, aber auch Familien, die zum Beispiel einen Laden betreiben, oder jungen Unternehmerteams.

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Der Bonus der politischen Korrektheit

Veröffentlicht: Mittwoch, 21. Dezember 2016 Geschrieben von Tanja Stern
Haben Migranten einen Bonus bei deutschen Behörden und Gerichten? Allein die Frage ist verpönt und rückt den Frager in Pegida-Nähe. Doch wer je mit einem Migranten aneinandergeriet, beginnt die Dinge anders zu sehen.

 

Es gab eine Zeit, da hatten Frauen einen Bonus, wenn sie bei Behörden und Gerichten gegen Männer vorgehen wollten. Die Mutter, die das alleinige Sorgerecht für ihre Kinder verlangte, die geschiedene Frau, die sich mehr Unterhalt wünschte, die verlassene Freundin, die ihren Ex der Vergewaltigung beschuldigte, sie alle hatten gute Chancen, gegen die Männer Recht zu bekommen.

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Geifern gegen Google - zum Beispiel Adware

Veröffentlicht: Freitag, 05. Dezember 2014 Geschrieben von Tanja Stern
Adware-Trojaner installieren Suchmaschinen, die uns zu dubiosen Firmenseiten oder Lotterien lenken sollen. Vor allem aber verfolgen sie den Zweck, Google das Wasser abzugraben. Und das sieht man in Deutschland gern.

 

Jeder Nutzer kennt die Plage, eine der übelsten des Computerzeitalters: Man lädt ein interessantes Programm herunter, und dann ist es auch schon passiert: Plötzlich öffnet sich anstelle des trauten Google-Startmenüs eine wildfremde Suchmaschine, die sich auch durch Änderung der Grundeinstellungen nicht abschalten lässt. Mitunter kann man seinen Browser nicht mehr öffnen. Tief im System findet man versteckte Programme, ohne Wissen und Willen des Nutzers installiert und äußerst mühselig zu entfernen. In schweren Fällen nützt auch keine Deinstallation, weil sich der Virus in die Registry eingenistet hat. Das Ganze heißt euphemistsch „Adware“ – abgeleitet und zusammengefügt aus den Worten „Advertisement“ und „Software“ –, und wer immer die auf seinem Rechner hat, kann sich auf viel Ärger und Arbeit gefasst machen, bis er die ungebetenen Gäste wieder los ist.

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Bücher in Bananenkisten - Gedanken zu einer leicht verderblichen Ware

Veröffentlicht: Freitag, 30. Mai 2014 Geschrieben von Tanja Stern
Wer umzieht, muss aussortieren: Was landet auf dem Müll, was wird behalten? Doch wenn es Bücher sind, die man aussortieren und über deren Zukunft man entscheiden soll, wird die Sache schwierig.

 

Kürzlich bin ich umgezogen. Meine neue Wohnung ist viel kleiner als die alte, so dass vor dem Umzug Ausmisten angesagt war. Möbelstücke wurden verkauft oder verschenkt, und all die jahrelang gehorteten Haushaltsgegenstände, die „für alle Fälle“ im Schrank oder in der Abstellkammer vor sich hin gedämmert hatten, wurden gnadenlos auf den Müll geworfen. Vor allem aber wollte ich meine Bibliothek drastisch reduzieren. Mindestens 50 % meines Bücherbestandes, das hatte ich mir fest vorgenommen, sollten nicht mit in die neue Wohnung ziehen.

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Die politische Korrektheit ist der Tod des Journalismus

Veröffentlicht: Donnerstag, 03. April 2014 Geschrieben von Tanja Stern
Die politische Korrektheit ist das Unkorrekteste von der Welt: Mit dieser Haltung, die in Presse und Medien dominiert, wird unsere Intelligenz beleidigt und der Frust des Volkes geschürt.

 

Letzten Winter bin ich mal wieder über die politische Korrektheit gestolpert, als ich im Internet von einem Verbrechen in Bad Homburg las: Ein Vater hatte seine 16jährige Tochter mit vierzig Messerstichen attackiert und dann im Keller seiner Wohnung verbluten lassen. Soweit die Meldung; und zweierlei ist dabei charakteristisch für meine Reaktion wie auch für diejenige der Welt: Erstens, dass ich mich augenblicklich fragte, ob dies wohl ein „gewöhnliches“ Verbrechen sei oder eines mit Migrantenhintergrund. Und zweitens, dass ich größte Mühe hatte, dies anhand der einschlägigen Pressemeldungen herauszufinden. Zwar berichteten die meisten großen Zeitungsverlage in ihren Webportalen über das Ereignis, aber dass der Mörder Afghane war, hielt kaum ein Redakteur der Erwähnung für wert.

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DDR im Glorienschein - das heimliche Phänomen der Ostalgie

Veröffentlicht: Samstag, 01. März 2014 Geschrieben von Tanja Stern
Ostalgie, das war in den 1990er Jahren eine spaßige Modewelle. Heute aber wird die Ex-DDR allen Ernstes verklärt und mit einem späten Glorienschein umwoben. In den Augen der Ostalgiker war sie eine heile, übersichtliche Welt, in der es noch soziale Sicherheit, menschliche Wärme und Solidarität gab. Wie ist dieses Phänomen zu erklären?

 

Ostalgie? Aber das war doch ein Phänomen der frühen 1990er Jahre. Das müsste sich doch längst erledigt haben, nicht nur als abgeebbte Modewelle, sondern auch auf quasi biologischem Weg?

Nein, eben nicht. Im Gegenteil: Je mehr das Bild der DDR in der Vergangenheit verschwimmt, desto schöner, verklärter und entrückter erscheint es in der Erinnerung ihrer ehemaligen Bewohner.

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Adolf Theis - mit 66 Start zum Großunternehmer

Veröffentlicht: Samstag, 01. Februar 2014 Geschrieben von Tanja Stern

Professor Adolf Theis war längst im Rentenalter, als er ein kleines Beratungsunternehmen für Kliniken und Seniorenimmobilien gründete. Niemand hätte sich etwas Besonderes davon versprochen; doch seine "ProCurand AG" wuchs binnen weniger Jahre zu einem bundesweiten Betreiber für Seniorenimmobilien auf und ist heute ein Großkonzern.

 

Es war eine Zweizeilenannonce in der Zeitung: Schreibkraft für die Wochenenden gesucht. Ich meldete mich und bekam den Job, ohne Prüfung oder Vorstellungsgespräch, da ich die einzige Bewerberin war. Gleich am folgenden Sonntag marschierte ich zur angegebenen Adresse, einem düsteren Altbau im Prenzelberg.

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Das Kreuz der Freiberuflichkeit

Veröffentlicht: Donnerstag, 12. Dezember 2013 Geschrieben von Tanja Stern

Was denken Sie, wenn Sie das Wort Freiberufler hören? An Architekten in gestylten Büros, an Musiker auf Konzerttourneen, an einsame Computergenies mit astronomischen Stundensätzen? Die wird es wohl geben, und vermutlich haben sie an ihrem Status nicht zu leiden. Das Gros der Freiberufler aber kämpft sich in unsicheren Existenzen durchs Leben, mit schwankendem Einkommen und oft mit einem überaus harten Arbeitspensum, das weder Sonntagsruhe noch Kranksein erlaubt. Der Vorzug, ausschlafen zu können und keinen Chef über sich zu haben, wird bezahlt mit einer ständigen Einsatzbereitschaft und Präsenz, mit einem aufreibenden Wechsel zwischen Leerlauf und Termindruck, mit verrücktesten Arbeitszeiten und -orten, mit der unaufhörlichen Hetzjagd nach Kunden, Ideen, Aufträgen, Absatz.

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Maria und Josef unterwegs in Deutschland - die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Veröffentlicht: Sonntag, 01. Dezember 2013 Geschrieben von Tanja Stern
In der Adventszeit 2011 und 2012 schickte die "Zeit" Maria und Josef durch das gegenwärtige Deutschland. Ein Reporter und eine Schauspielerin baten als obdachloses Paar um Hilfe - einmal im Taunus, wo die Reichen wohnen, und einmal im Berliner Problembezirk Neukölln.

In der Adventszeit 2011 unternahm ein Redakteur der „Zeit“ zusammen mit einer Schauspielerin ein eindrucksvolles soziales Experiment: Als obdachloses Paar verkleidet durchwanderten die beiden die idyllischen kleinen Orte im Taunus, wo die reichsten Bürger Deutschlands leben, und baten um Hilfe in ihrer Not.

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Warum ich Goethe hasse

Veröffentlicht: Freitag, 29. November 2013 Geschrieben von Tanja Stern
Er war der Prototyp des arrivierten, von Speichelleckern umschleimten Erfolgsautors. Doch nicht nur die Mitwelt, auch die Nachwelt erhob Johann Wolfgang von Goethe  zum größten Dichter, der je gelebt hat. Warum gerade ihn? An seinem Werk allein kann es nicht liegen. Eher an dessen Repräsentanz. 

Ist doch sonnenklar, warum ich Goethe hasse: Er ist der Prototyp des arrivierten, verwöhnten, vollgefressenen Erfolgsliteraten. Finanziert von der politischen Macht, umschleimt und göttergleich verehrt vom kulturbeflissenen Spießertum und egomanisch alles eigenständige Leben und Blühen um sich erstickend. Als Autor weit überschätzt und als Mensch – sagen wir es offen – doch ein ziemliches Schwein.

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