Die zwei Wolfgangs und das Wirtschaftswunder

Veröffentlicht: Dienstag, 31. Dezember 2013 Geschrieben von Tanja Stern
Als "Die zwei Wolfgangs" machten sie Kabarett und traten in etlichen Filmen auf: Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller. Der frühe Tod von Wolfgang Müller beendete die Erfolgsgeschichte, doch es blieben von dem Duo ein paar witzige Songs, etwa das Wirtschaftswunder-Lied aus Kurt Hoffmanns Film "Wir Wunderkinder". 

Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller lernten sich 1949 im quirligen Nachkriegs-Berlin kennen und fühlten sich auf Anhieb geistesverwandt. Neuss war Soldat gewesen und hatte bereits im Internierungslager bunte Abende organisiert. Müller stammte aus Österreich, wo er eine Ausbildung als Theaterschauspieler absolvierte. Beide waren begnadete Kabarettisten, und beide teilten eine höchst kritische Sicht auf die junge Bundesrepublik. Fortan waren sie unzertrennlich und bildeten als „Die zwei Wolfgangs“ ein Kabarett-Duo der Spitzenklasse.

 1955 erhielten die beiden zwei Nebenrollen in einer Verfilmung des Cole-Porter-Musicals „Kiss me Kate“. Ihre Nummer „Schlag nach bei Shakespeare“ war so erfolgreich, dass alsbald weitere Filmangebote für die beiden Wolfgangs folgten. Und sie nahmen sie alle bedenkenlos an, egal ob es Klamotten waren wie das unverwüstliche „Wirtshaus im Spessart“ oder kritische Geschichtsaufbereitungen wie Kurt Hoffmanns „Wir Wunderkinder“. Über Jahre zählten Neuss und Müller zu den meistbeschäftigten Nebendarstellern Deutschlands.

Geistesverwandte: Die "zwei Wolfgangs" Müller und NeussGeistesverwandte: Die "zwei Wolfgangs" Müller und Neuss

1960 machte Wolfgang Müllers früher Tod dieser Erfolgsgeschichte ein Ende: Während der Dreharbeiten zum „Spukschloss im Spessart“ kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Wolfgang Neuss wurde daraufhin mit den Worten „Jetzt brauchen wir Sie auch nicht mehr“ in höchst sensibler Weise vom Set geschickt. Neuss hat den Tod seines Partners nie verwunden. Nie wieder fand er einen Menschen, mit dem er sich so verbunden fühlte. Als er selbst 1989 starb, wurde er neben ihm auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof beigesetzt.

Hören Sie „Jetzt kommt das Wirtschaftswunder“ aus dem Film „Wir Wunderkinder“, den man sich heute noch sehr gut ansehen kann, auch dank der pfiffigen Kommentare und Lieder der beiden Wolfgangs.

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"Jetzt kommt das Wirtschaftswunder" (1958) 

 

An Wolfgang Neuss erinnert auch ein Bericht in der Rubrik "Vergessene Künstler": 1965 gab er gemeinsam mit dem jungen Wolf Biermann ein Ost-West-Konzert in Frankfurt.