Zahntourismus - was ist zu beachten?

Veröffentlicht: Samstag, 01. Februar 2014 Geschrieben von Tanja Stern
Mit einer Zahnbehandlung im Ausland können Sie möglicherweise viel Geld sparen – doch möglicherweise auch noch mehr Geld verlieren. Überlegen Sie es sich hundertmal, bevor Sie sich in die Hände eines polnischen, tschechischen oder ungarischen Zahnarztes begeben.
  1. Wählen Sie den Arzt sorgfältig aus und trauen Sie dabei weder einer edel aufgemachten Homepage noch dubiosen Empfehlungsseiten wie „Die Endverbraucher“ oder „Die Zahnarztempfehlung“. Dort werden – wie ich am Beispiel meines eigenen Zahnarztfalls erlebte – Einträge gern mal manipuliert und negative Statements einfach gelöscht. Zuverlässig sind nur die eigenen Eindrücke oder die Empfehlungen von vertrauenswürdigen Bekannten.  
  1. Lassen Sie sich vor Beginn der Behandlung von dem ausländischen Zahnarzt einen Heil- und Kostenplan ausstellen und reichen Sie ihn bei Ihrer Krankenkasse ein. Das Procedere läuft in der Regel reibungslos über die Bühne. Ausländische Zahnärzte, die auf deutsche Patienten spezialisiert sind, kennen die notwendigen Formulare, und die deutschen Krankenkassen erkennen bereitwillig Heil- und Kostenpläne aus dem Ausland an. Die Kosten sind zunächst in bar an den behandelnden Zahnarzt zu entrichten. Bestehen Sie darauf, dass Ihnen dabei eine detaillierte Rechnung ausgestellt wird, denn wenn Sie diese nicht der Krankenkasse vorlegen können, gibt es Probleme bei der Erstattung der Festzuschüsse.
  1. Bedenken Sie die Nebenkosten! So günstig sich die Behandlungspreise jenseits der Grenzen auch anhören mögen, es wird selten dabei bleiben. Reisekosten, Übernachtungskosten und Verpflegungskosten fallen an; sogar die Krankenkasse berechnet bei Zahnbehandlungen im Ausland einen extra hohen Verwaltungsaufschlag. Und falls sich die Behandlung verzögert oder Komplikationen auftreten, sind Aufwand und Folgekosten häufig so hoch, dass der Ersparnisfaktor gegen Null tendiert.
  1. Wenn die Behandlung schief geht, haben Sie keine Garantie oder rechtliche Absicherung. Natürlich können Sie versuchen, den Zahnarzt zu verklagen, doch das läuft über die Gerichte des Landes, in dem er seinen Wohnsitz hat. Sie müssen sich also einen Anwalt nehmen, der seine Zulassung auch in diesem Land hat. Das bedeutet Anwaltskosten, Gutachterkosten, Übersetzungskosten, Aufenthaltskosten, Telefonkosten… und höchst geringe Aussichten auf Erfolg. Wenn Sie meine Reportage „Zahnarzttourismus und Zahnarztpfusch – die Geschichte eines deutsch-polnischen Rechtsstreits“ gelesen haben, wissen Sie, dass es besser ist, in einem solchen Fall auf Rechtsmittel zu verzichten. Und dass es am allerbesten ist, ganz auf den Zahnarzttourismus zu verzichten.