Eine Kalendersaison mit Calvendo

Veröffentlicht: Dienstag, 06. Februar 2018 Geschrieben von Tanja Stern

Der Kalenderverlag Calvendo gehört zur Cornelsen-Verlagsgruppe und bietet Selfpublishern eine Verkaufsplattform für ihre selbstgestalteten Kalender. Der Bedarf ist riesig, und es gibt in diesem Sektor keine Konkurrenz. Doch was hat das Portal tatsächlich zu bieten? Hier ein Selbsterfahrungsbericht.

Ich war gewarnt: Was das Internet unter dem Stichwort „Calvendo Erfahrungen“ preisgibt, klingt nicht gerade einladend: dürftige Vorlagen, magere Honorare, dafür umso saftigere Endverkaufspreise. Trotzdem war ich, nachdem ich den Kalenderverlag Calvendo entdeckt hatte, wild entschlossen, ihn zumindest eine Saison lang auszuprobieren, und durch kein Negativurteil abzuschrecken.

Das Portal schien mir genau das zu bieten, was ich mir schon lange wünschte: einen Verlag, der Autoren den Freiraum gibt, Kalender ganz nach ihren eigenen Vorstellungen zu veröffentlichen, und der ihnen zugleich die Arbeit des Druckens und der Präsentation abnimmt – also mit einem Wort, auf der Kalender-Ebene genau das, was Amazon-Kindle für das freie Publizieren von Büchern darstellt. Bis heute ist Calvendo weit und breit der einzige Verlag mit einem solchen Geschäftsmodell, und wenn man der Eigenwerbung glaubt, rennen die Kalenderautoren Calvendo gleich zu Tausenden die Bude ein.

Überraschendes Kalender-Lektorat

Enthusiastisch meldete ich mich an und lernte Calvendos Editormaske kennen. Die Website war intelligent und allgemeinverständlich aufgebaut, obwohl die Gestaltungsmittel tatsächlich stark zu wünschen übrig ließen: Nur JPEG- und PDF-Formate wurden zur Bearbeitung zugelassen, und die Graphiktools waren sehr begrenzt. Das musste mich aber nicht interessieren – ich wollte zunächst nur bereits vorhandene Kalender für 2018 aufbereiten und auf dem Portal anbieten. Die lagen schon komplett mit Kalendarium vor, und Calvendo bot auch die Möglichkeit, fertige Kalenderblätter direkt in eine leere Vorlage hineinzukopieren. Ich hatte anfangs mit dem Hochladen erhebliche Probleme, aber schließlich fand ich heraus, welche Vorgehensweise die günstigste war, und reichte im Juni 2017 meine ersten beiden Kalender „Die schönsten Opernmorde“ und „Die schönsten Liebestode“ bei Calvendo ein.

In der Tat, die Kalender mussten bei einer Jury „eingereicht“ und von dieser „genehmigt“ werden. Schließlich sollte ja nicht jeder Dödel seine laienhaften Machwerke unter dem edlen Dach von Calvendo verbreiten. Nur Kalender, die sich durch originelle Thematik und professionelle Gestaltung empfahlen, waren würdig, als Calvendo-Kalender in den internationalen Handel zu gehen – so das offizielle Postulat.

Zensiert von der Calvendo-Jury: Die schönsten OpernmordeZensiert von der Calvendo-Jury: Die schönsten OpernmordeVon der ersten Rückmeldung der Calvendo-Jury war ich ganz begeistert: Es war ein komplettes Lektorat der beiden eingereichten Kalender, sehr akribisch, sehr detailliert und zum Teil auch wirklich kompetent. Ich werde nie erfahren, wer es geschrieben hat – die Nachrichten der Calvendo-Jury sind grundsätzlich anonym. Es scheint zu den Prinzipien des Verlags zu gehören, dass es keine Ansprechpartner und keine persönlichen Kontakte zwischen Calvendo-Autoren und -Mitarbeitern gibt. Doch hier hatte offenbar ein professioneller Graphiker meine Kalender gründlich durchgesehen und vom fehlenden Komma bis zur nicht ganz mittigen Jahreszahl eine Fülle von Details vermerkt, die der Verbesserung bedurften. Noch nie hatte sich jemand so intensiv mit meinen Kalendern auseinandergesetzt, und als graphischer Laie war ich aufrichtig dankbar für die Arbeit, die hier investiert worden war, und für die teilweise durchaus berechtigte Kritik.

Der Lektor als Zensor

Ich sage, teilweise, denn es gab natürlich auch Änderungswünsche, die ich nicht einsah, besonders die Rechtschreibung betreffend; und hier fiel mir erstmals der kategorische Ton in den beiden Calvendo-Schreiben auf – als würden die Änderungen an den Kalendern nicht vorgeschlagen, sondern gefordert. Doch das konnte ja nur eine Täuschung sein. Ein echter Arbeitspartner würde doch immer für Argumente zugänglich sein und sich mit dem Autor einigen wollen. So dachte ich und setzte ein kindlich treuherziges Schreiben an den anonymen Calvendo-Mitarbeiter auf, in dem ich mich zwar artig für die helfende Kritik bedankte, aber zugleich auch die Hoffnung aussprach, dass meine Zusammenarbeit mit Calvendo nicht von der hundertprozentigen Erfüllung der genannten Auflagen abhängig sei:

Grundsätzlich hatte ich Ihr Projekt so verstanden, dass Sie auch Laien eine Chance zur Kalendergestaltung geben wollen. Dann wäre aber auch Freiraum für verschiedene Stile und Geschmacksrichtungen wichtig.

Die Antwort war eine kalte Dusche und machte meinem Dialog mit Calvendo ein Ende:

Durch langjährige Erfahrung und viele Tausend Projekte, die wir in dieser Zeit geprüft haben, trauen wir uns zu, einen eingereichten Kalender nach seinen Marktchancen beurteilen zu können. Aus diesem Grund erwarten wir, dass die Vorgaben der Jury, die auf eine bessere Verkäuflichkeit abzielen, auch umgesetzt werden.

Wenn Sie das nicht akzeptieren möchten und sich in Ihrer Kreativität beschnitten fühlen, haben wir dafür vollstes Verständnis. Dann sind wir jedoch leider nicht der richtige Partner für Sie. Wir empfehlen Ihnen dann, einen anderen Weg für die Vermarktung Ihrer Kreativität zu wählen.

Ich schämte mich. Wie konnte ich nur so dumm sein zu glauben, ich hätte mit Calvendo einen echten Arbeitspartner gefunden! Ich hatte einfach nur wieder einen klassischen Verleger gefunden. Einen Verleger, der alles besser wusste, der seinen privaten Kunstgeschmack für einen absoluten Qualitätsmaßstab hielt und der bestimmte, wo es lang ging – gehorche, Autor, oder du fliegst raus. Und ich fand mich wieder in dem heimlichen Kampf des Autors mit dem Verleger-Chef: Ich musste nach außen Männchen machen, musste scheinbar gehorchen und zugleich den Gegner durch Scheinbearbeitungen und kleine Schummeleien auszutricksen suchen. Wie hatte ich dieses Spielchen gehasst, als ich Verlagsautorin war! Und nun, da ich mich an die Freiheit des Selfpublishing gewöhnt hatte, fand ich mich erneut in dieser üblen Position – und das bei einem Verlag, der vorgab, eine Plattform für Selfpublisher zu bieten.

Normalerweise hätte ich natürlich an dieser Stelle das Portal verlassen. Jenes brutale Statement von Calvendo war ja ziemlich direkt als Rausschmiss formuliert. Zugleich aber schien es mir schon das erste Ergebnis meines Experiments zu sein, und ich beschloss, weitere abzuwarten. Die Kalendersaison war schließlich noch lang und konnte noch Überraschungen bergen.

Abgeschmettert

Also reichte ich zwei weitere Kalender ein, aber keiner von ihnen fand Gnade vor den Augen der gestrengen Calvendo-Jury. Der erste Kalender „Die Plakatsäule“, eine Collage von politischen Plakaten über das 20. Jahrhundert hinweg, wurde offenbar zumindest in Erwägung gezogen, was angesichts der heutzutage vorherrschenden Kalenderthemen nicht ganz selbstverständlich ist und positiv vermerkt werden muss. Doch der anonyme Bearbeiter monierte technische Unvollkommenheiten, uneinheitliche Abstände und Formate oder nicht mittig sitzende Bildunterschriften. Zweimal arbeitete ich nach und fand selbst an dem Ergebnis nichts auszusetzen, doch den hohen Ansprüchen des Bearbeiters genügte es noch immer nicht. Er vermisste bei dem Kalender ein „durchgängig professionelles Niveau“ und lehnte ihn im dritten Anlauf ab – sehr ärgerlich, besonders wenn man sich einige der publizierten, also offenbar für hinreichend niveauvoll befundenen Kalender ansah. Ärgerlich auch, weil gerade dieser Kalender als besonders wichtiger Teil meines Calvendo-Experiments gedacht war.

Mit dem „Wahnsinnskalender“ über psychisch kranke Künstler, den ich als nächstes ausprobieren wollte, wurde gar nicht erst viel Federlesens gemacht: Die Calvendo-Jury schmetterte ihn so hart und schnell ab wie einen Tennisball. Kaum eine Stunde, nachdem ich das Projekt bei Calvendo eingereicht hatte, ließ mich ein anonymer Mitarbeiter wissen, dass „die Bildauswahl/Projektgestaltung nicht überzeugen“ konnte und dass man nicht glaube, für das Projekt „einen genügend großen Interessenten-Kreis“ zu finden. Danach verzichtete ich auf das Anbieten weiterer Kalender – es wäre reine Zeitverschwendung gewesen.

Calvendo im Ausland

Gewisse Hoffnungen setzte ich aber noch auf den internationalen Vertrieb von Calvendo. Es gab neben der deutschen noch eine englische und eine französische Calvendo-Plattform, doch für fremdsprachige Versionen von bereits genehmigten deutschen Kalendern galten strikte Bestimmungen: Es wurde verlangt, dass sie sich grundlegend vom Originalkalender unterschieden: anderer Titel, anderes Cover, andere Reihenfolge der Kalenderbilder. Wieder sah ich mich mit Auflagen konfrontiert, die ich persönlich für unsinnig hielt, und wieder musste ich sie erfüllen, wenn ich Calvendo weiter nutzen wollte. Also baute ich brav meine englischen Kalender-Übersetzungen so um, dass sie sich in der gewünschten Weise vom deutschen Original unterschieden, und reichte das Ergebnis bei der britischen Calvendo-Jury ein, die ihren Sitz in London hatte. Ich mochte die Briten und war überzeugt, dass ich bei ihnen auf mehr Verständnis und mehr Toleranz stoßen würde als bei meinen Landsleuten, die für ihre Arroganz berüchtigt sind. Gerade wir Deutschen neigen ja dazu, von anderen Nationen mehr als von der eigenen zu erwarten – und werden oft in dieser Erwartung enttäuscht.

Wochenlang überarbeitet: "The Star-Crossed Lovers Calendar"Wochenlang überarbeitet: "The Star-Crossed Lovers Calendar"So erging es auch mir: Die britischen Calvendo-Mitarbeiter saßen auf einem ähnlich hohen Ross wie die deutschen und waren diesen an Korrektheit und Gewissenhaftigkeit sogar unterlegen. Zwar werden Zweitversionen von bereits vorhandenen Kalendern anscheinend grundsätzlich genehmigt, und mein erster englischer Kalender „Most Beautiful Opera Murders“ ging auch halbwegs reibungslos über die Bühne. Der zweite aber, „Star-Crossed Lovers Calendar“, die englische Version der „Liebestode“, wurde zum Gegenstand eines schier endlosen Machtspielchens, bei dem der anonyme Bearbeiter von der britischen Calvendo-Jury immer neue Änderungen verlangte. Bald wünschte er gekürzte Bildunterschriften, bald monierte er ein fehlendes Komma, oder irgendein Ausdruck gefiel ihm nicht. Ich tat dann immer brav, was er verlangte, und reichte den Kalender von Neuem ein; doch jedes Mal ließ mein britischer Zensor jede Menge Zeit verstreichen, bevor er sich zu einer Antwort bequemte, und jedes Mal war diese Antwort ein weiterer neu entdeckter Änderungswunsch. Anfang Juli hatte ich den Kalender zum ersten Mal eingereicht, und erst Mitte August wurde er glücklich publiziert. Möglicherweise sollte mich die Prozedur dazu bewegen, freiwillig das Handtuch zu werfen. Doch ich hatte mich inzwischen vollends zu der Haltung „Es ist ja nur ein Experiment“ überredet und war durch nichts mehr zu provozieren.

Mängel im Vertrieb

Ein paar Wochen später fand ich zufällig heraus, dass der vollmundig gepriesene englischsprachige Kalendervertrieb nicht funktionierte: Die britische Bestellmaske verwies zwar stolz auf vier oder fünf große Portale, die Calvendo-Kalender zum Verkauf anbieten, doch als ich für einen amerikanischen Freund den „Star-Crossed Lovers Calendar“ bestellen wollte, erwies sich, dass meine beiden englischen Kalender auf sämtlichen Portalen als „out of stock“ oder „currently unavailable“ gekennzeichnet waren. Der britische Calvendo-Support, den ich deswegen konsultierte, behauptete zunächst, ich läge falsch, die Kalender wären sehr wohl bestellbar. Als ich insistierte und das Gegenteil nachwies, kam eines Tages im Triumph die Botschaft, mein Kalender sei auf einem Portal erhältlich. Ja, im Triumph: Die Leute schrieben allen Ernstes – Hohn oder Dummheit? – „Congratulations!“ Das Portal, das meine Kalender allein auf weiter Flur verkaufte, war Book Depository, ein Store, von dem ich nie zuvor gehört hatte und zu dem sich vermutlich kein Mensch verirrte.

In der Nachricht wurde ferner begründet, warum andere Portale, speziell Amazon, meine Kalender nicht im Angebot hätten: Amazon sei ein Händler („retailer“) und präsentiere auf der Basis spezieller Algorithmen nur solche Waren, die sich gut verkaufen ließen. Calvendo als Bereitsteller („enabler“) habe darauf leider keinen Einfluss. Jeder, der schon mal bei Amazon verkauft hat, weiß, wie unsinnig das ist – Amazon präsentiert alles, was man ihm eingibt. Ich schrieb wütend zurück, man möge doch bitte die Autoren nicht allesamt für Idioten halten. Daraufhin kam eine zweite Erklärung, die auf das bei Calvendo praktizierte Print-on-Demand-Verfahren hinwies: Solange ein Kalender nicht verkauft sei, werde er auch nicht produziert, sei also für Amazon nicht vorhanden und werde als „out of stock“ geführt. Auch das war weder wahr noch logisch – schließlich hält Amazon eine Fülle von Print-on-Demand-Produkten vor, und sie sind keineswegs „out of stock“, auch viele der Kalender von Calvendo nicht. Im deutschen Sprachraum waren meine Kalender problemlos bei Amazon bestellbar. Doch da ich ohnehin nichts ausrichten konnte, um die Situation zu ändern, stellte ich auch auf der britischen Ebene den Dialog mit Calvendo ein.

Honorar: Fehlanzeige

Der Abverkauf meiner Kalender gestaltete sich entsprechend dürftig – teilweise auch durch meine eigene Schuld, denn ich hatte nach dem Flop meines Experiments nur noch lustlos und viel zu spät geworben. Die Margen bei Calvendo sind gering: Ein Kalender, der im Handel 19,90 € kostet, bringt seinem Autor die gigantische Summe von 2,36 € ein. Um noch eins draufzusetzen, hat Calvendo verfügt, dass Autorenhonorare überhaupt erst dann ausgezahlt werden, wenn sie 30 € überschreiten – eine Festlegung, die meines Erachtens sowohl geschäftlich als auch moralisch hart an der Grenze des Erlaubten ist. Doch sie dürfte Calvendo eine ganze Menge Geld eintragen, denn dem Vernehmen nach gibt es nicht viele Kalender, deren Verkaufszahlen das Limit erreichen. Auch ich kam über ein Gesamthonorar von 12,92 € nicht hinaus und gehöre damit zu den Calvendo-Autoren, die finanziell vollständig leer ausgehen.

Nachtrag: So war jedenfalls der Stand der Dinge, als ich Ende Januar meinen Account bei Calvendo löschte. Ende März allerdings blühte mir eine freudige Überraschung: Ich erhielt von Calvendo eine Abrechnung, die sich erheblich von der in meinem Account unterschied, und darf mich nun über insgesamt 59,85 € freuen. 

Mein Calvendo-Experiment ist also in jeder Hinsicht gescheitert. Ich weiß, dass ich nicht die Richtige bin, den Stab über Calvendos Verlagskonzept zu brechen. Die Kalender die ich produziere, sind bei Calvendo definitiv falsch, und das hat erst mal gar nichts mit Niveau oder Kunstgeschmack zu tun. Das Portal ist zugeschnitten auf Fotografen, die einfach zwölf thematisch zusammenhängende Bilder aneinander reihen und als Kalender vermarkten wollen. Kalenderdesign im eigentlichen Sinne ist zwar möglich, aber nicht wirklich vorgesehen und in der Praxis wohl eher selten. Die in diesem Bericht genannten Probleme, die ich selbst mit Calvendo hatte, betreffen also vordergründig nur die wenigsten Kalenderautoren.

Trotzdem zeigt sich auch an meinem Beispiel die ganze Fragwürdigkeit dieses Geschäftsmodells. Calvendo versucht, modernes Selfpublishing und klassisches Verlagswesen zu verbinden; insofern ist es selbst ein Experiment, und eins, das meiner Ansicht nach auf lange Sicht nicht gut gehen kann. Im Grunde bleiben dabei die Vorteile beider Verlagsformen ungenutzt, während sich die Nachteile potenzieren: Zur Unsicherheit des Selfpublishing kommen die rigiden hierarchischen Strukturen des herkömmlichen Verlagswesens. Was für Kalenderautoren sollen das sein, die bei Calvendo glücklich werden? Für die Profi-Fotografen ist das Konzept schon aus finanziellen Gründen wenig attraktiv; sie werden leicht ersprießlichere Wege finden, um ihre Kalender an den Mann zu bringen (wie etwa der Bericht des Hamburger Fotografen Tommaso Maiocchi zeigt). Den fotografischen Laien aber, die sich einfach nur mal ausprobieren wollen, setzt Calvendo hohe Hürden durch seine Ansprüche und seinen Bevormundungsdrang. Im Spagat zwischen dem geforderten „durchgängig professionellen Niveau“ und der strikten Orientierung auf „Verkäuflichkeit“ bleiben sowohl die künstlerische Freiheit als auch die Verdienstchancen auf der Strecke. Nur wer strikt in dem engen Rahmen der Calvendo-Vorgaben agiert und sich dazu noch gut zu vermarkten weiß, kann bei Calvendo Geld verdienen. 

Natürlich gibt es immer noch den Eigenbedarf: Auch abgelehnte Projekte kann man bei Calvendo drucken lassen, und das in ausgezeichneter Qualität. Kalender sind immer ein schönes Geschenk, und wer Tante Jutta zu Weihnachten mit einem selbst gestalteten lokalen Landschaftskalender beglücken will, ist bei Calvendo gut bedient. Wenn allerdings der ganze Sportverein Exemplare davon bekommen soll, könnte die Sache schon ins Geld gehen.

Erfolg durch Kalendermonopol 

Noch ist Calvendo der einzige Kalenderverlag, der Selfpublishern eine Plattform bietet – kein Wunder, dass der Laden brummt und dass sich die Betreiber so verhalten, als könnte es ihnen nie an Autoren fehlen. Doch schon jetzt bin ich bestimmt nicht die Einzige, die Calvendo zwar ausprobiert, weil keine Alternative in Sicht ist, aber alsbald enttäuscht wieder von dannen zieht. Und sollte sich je die Möglichkeit bieten, bei Amazon oder irgendeiner anderen echten Selfpublisher-Plattform eigene Kalender hochzuladen, so wären die Tage von Calvendo gezählt.

Mein eigenes Interesse an Calvendo hat sich in dem Maße abgekühlt, wie ich Frust und Enttäuschung überwand. Das finde ich bemerkenswert, denn ich hatte ursprünglich geglaubt, über mein persönliches Anliegen hinaus auf ein relevantes und für viele Selfpublisher wichtiges Thema gestoßen zu sein. Dieser Bericht war als flammende Kampfschrift konzipiert; jetzt ist er bloß noch die formale Erfüllung eines einmal gefassten Vorsatzes, ein Schlusspunkt unter eine kurze und folgenlose Episode meines Lebens. So schreibt man nicht, wenn man der Welt etwas Gewichtiges zu sagen hat. So schreibt man über einen Gegenstand, bei dem man sich nicht weiter aufhalten mag.