Tod und Verklärung der Renate Müller

Veröffentlicht: Dienstag, 31. Oktober 2017 Geschrieben von Tanja Stern

Weiterlesen:

Es ging alles sehr schnell im Leben der Schauspielerin Renate Müller: Mit 18 debütierte sie am Theater. Mit 25 gelang ihr der Durchbruch zum Filmstar. Und mit 31 war sie tot. Sie stürzte aus dem Fenster ihrer Dahlemer Villa – Unfall, Selbstmord oder gar Mord? Diese Krimifrage führte im Fall Renate Müller zum Entstehen einer noblen und politisch korrekten Legende, die sie zum tragischen Naziopfer stilisierte.

Renate Müllers Weg zum Ruhm verlief denkbar geradlinig und komplikationslos. Sie verlebte eine glückliche Kindheit in einem liberalen und wohlhabenden Elternhaus. Ihre Mutter war Malerin, ihr Vater Historiker und Journalist.

Er arbeitete in führender Position für verschiedene Zeitungen und Verlagshäuser, erst in München, später in Danzig und Berlin, so dass die Familie mehrfach umziehen musste; doch die hübsche und aufgeweckte Renate war in jeder neuen Umgebung bald heimisch und bei ihren Mitmenschen beliebt. Sie erhielt eine gute Schulausbildung und wuchs in einer heiter-freigeistigen Atmosphäre auf, die Abendgesellschaften, schöne Reisen und jede Menge Kultur umfasste.

Renate liebte besonders die Musik. Schon früh stand ihr Berufswunsch fest: Opernsängerin wollte sie werden! Mit Feuereifer nahm sie Gesangsunterricht, übte zum Leidwesen der Familie tagtäglich alle Tonleitern rauf und runter. Mittlerweile lebten die Müllers in Berlin, wo der Vater eine Stellung beim "Berliner Tageblatt" innehatte. Eine Bekannte riet der jungen Renate, nicht nur Musik, sondern ergänzend auch Schauspiel zu studieren; Gestaltungsvermögen sei unerlässlich im Zeitalter der modernen Opernregie. Renate folgte dem Rat und bewarb sich an der Max-Reinhardt-Schauspielschule. Sie wurde auf Anhieb angenommen und galt schon nach wenigen Wochen als eine der hoffnungsvollsten Schülerinnen. Vergessen war die Oper – Renate wollte nur noch spielen, spielen, spielen. Und das war eine gute Entscheidung, denn sie hatte zwar eine recht hübsche Stimme, die auch später im Film oftmals eingesetzt wurde, doch für die Oper hätte sie wohl kaum gereicht.